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Zizou und das reine Vergnügen

3:0 gegen Dänemark: Frankreich überzeugte. Und Zinedine Zidane zeigte Fussballpoesie.

Von Fredy Wettstein, Brügge

2000

Zizou, hör nicht auf, nimm den Ball wieder, mach etwas mit ihm, es sieht aus, als gehöre er zu deinem Fuss, zu deinem rechten und auch deinem linken, er folgt dir, macht immer, was du willst. Der Ball ist dein Spielzeug, spiele mit ihm, amüsier dich weiter, noch möglichst lange.

Wir sitzen an diesem Sonntag in der Abendsonne oben auf der Tribüne im Stadion von Brügge und fühlen uns wie in einem Zirkuszelt und blicken nach unten in die Manege und wissen, während des Programms taucht immer wieder einer auf, den wir bewundern können, der etwas kann, was kaum ein anderer vollbringt, bei dem zwar alles so leicht aussieht, doch wir wissen, dass es hohe Kunst ist. Wir staunen. Immer von neuem. Und wir wollen ihn immer wieder sehen, sein Geheimnis ergründen.

Zinedine Zidane, schon sein Name ist Poesie. Und als doch das Ende gekommen ist, als er später aus der Garderobe tritt, nochmals ins Scheinwerferlicht, vor die vielen Mikrofone und Blitzlichter, als er vor uns steht mit seinen melancholischen Augen, bescheiden, wie er immer war, aber nicht mehr so scheu wie einst, sondern offen und bereit, mit jedem zu reden, sagt er: "Ich hatte so eine Lust, zu spielen, mich zu amüsieren. Mir hat es einfach Spass gemacht, und ich wollte eigentlich, dass der Match nie zu Ende geht, dass keine Aktion fertig ist."

Spielen mit dem Ball, sich dabei amüsieren, er könne von nichts anderem träumen, sagt Zidane, lacht dazu, und wiederholt den Satz später wieder, als sie ihn noch oft fragen. Und so muss es gewesen sein, damals, als er klein war, aufwuchs als Sohn von algerischen Einwanderern in bescheidenen Verhältnissen im Quartier Le Castellane im Norden von Marseille. Zwischen grauen Betonblöcken hat er täglich mit seinen Copains gespielt, bis es stockdunkel war. Der Ball sei seine Droge gewesen, hat seine Mutter einmal gesagt, und ein Freund von damals beschrieb es so: "Zizou war begabt wie kein anderer. Wenn er entschieden hatte, dass er den Ball in seinen Füssen behalten wollte, dann konnte man ihn ihm nicht mehr wegnehmen."

So ist es an diesem Sonntag in Brügge auch den Dänen ergangen. Zidane dribbelt, Zidane macht eine schnelle Drehung mit dem Körper, Zidane stolpert einmal, aber der Ball bleibt immer an seinem Fuss, wie angeklebt, doch es ist nie Selbstzweck, was er macht, er sucht immer die beste Lösung für seine Gruppe. "Er ist ein grosser Spieler, aber er denkt immer für die Mannschaft", sagt Teamkollege Bixente Lizarazu über ihn.

Zidane ist also zurück, Frankreich ist zurück, und es hat begonnen wie vor zwei Jahren bei der WM. Mit einem 3:0, damals gegen Südafrika, jetzt gegen Dänemark, und die Frage ist natürlich: Nimmt die Reise das gleiche Ende, damals Weltmeister, jetzt Europameister? Zidane ist vorsichtig in seinen Formulierungen, er ist keiner, der gleich überschwänglich wird. "Wichtig ist, dass wir so gut begonnen haben, das erste Spiel in einem solchen Turnier ist stets entscheidend für den Weg, den man geht. Aber wir dürfen nicht weit voraussehen, müssen einfach so weiterspielen."

Von einem Unterschied, der auch ihn zusätzlich zuversichtlich macht, spricht aber auch er: "Im Angriff sind wir stärker als 1998, wir wissen heute, dass wir in jedem Moment Torchancen erarbeiten können, und das ist für uns eine grosse Versicherung. Mit Henry und Anelka können wir noch schneller spielen, das entspricht auch meinem Stil."

Am Freitag öffnet die Manege wieder ihre Türen. Auch in Brügge, dann gegen die Mannschaft aus Tschechien. Zizou, amüsier dich weiter!

 

 

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