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Zinedine Zidane hört nach der WM auf

Nationalheiliger und Künstler am Ball

Von Michael Schreiber

Vielleicht ist das Allerbeste von den vielen bewundernden Dingen, die man über diesen Mann sagen und schreiben kann, dass er kein Popstar ist.

Zinedine Zidane; Rechte: dpa

Kunst am Ball: Zinedine Zidane

 

 

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Man hat in den Jahren seiner Karriere nichts über extravagante Frisuren lesen müssen. Sein Haar war schon in jungen Jahren so licht, dass es nichts zu frisieren gab. Man weiß auch fast nichts über seine Familie außer, dass seine Frau Veronique heißt, kein Spice-Girl ist und er mit ihr vier Söhne groß zieht, die auf die Namen Enzo, Luca, Theo und Elyaz hören.

Das einzig Glamouröse an Zinedine Zidane ist seine Art Fußball zu spielen. Entertainer-Qualitäten außerhalb des Platzes, die in der aufgeblähten Glitzerwelt dieses Sports eine immer größere Rolle spielen, gehen Zidane völlig ab. Und das ist eine Wohltat.

Digitale Raumauffassung

 

Wenn Zidane nun mit der WM in Deutschland seine Laufbahn beendet, werden es also die Bilder des Fußballspielers sein, die in der Erinnerung überdauern: Wie er den Ball mit der Sohle streichelt, während er eine elegante Pirouette dreht und damit den Gegner ins Leere laufen lässt. Wie er in geduckter Haltung über den Rasen huscht, das Spielgerät wie selbstverständlich am Fuß. Wie er, der einst Postbote werden wollte, ohne hinzusehen seinem Mitspieler präzise den Ball zustellt. Es sind diese Momente, in denen man auch als Gegner feuilletonistischer Fußball-Betrachtungen ahnt, dass dieses Spiel eine magisch künstlerische Komponente in sich trägt.

Der Philosoph Klaus Theweleit hat Zidanes Spiel als Ausdruck einer veränderten Raumauffassung in der digitalen Welt beschrieben: "Zidane hat im Moment der Ballannahme die Position all seiner Mitspieler vorne im Kopf gespeichert. Und ihre nächsten drei, vier Schritte dazu. Genau diese Abläufe sind in der veränderten Raumauffassung am Spiele-Computer trainierbar." Das mag abgehoben klingen, aber Zidane steht auch deshalb auf einer Stufe mit Größen wie Pelé, Beckenbauer und Maradona, die den Fußball alle auf ihre Art verändert haben. "Er ist ein Monument", hat Zidanes Freund, Torhüter Fabien Barthez, mit dem Zidane 1998 Welt- und 2000 Europameister wurde, angesichts des bevorstehenden Rücktritts gesagt.
 

Symbol der Integration

Zinedine Zidane küsst den WM-Pokal; Rechte: dpa 

Weltmeister 1998: Zinedine Zidane

 

 

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In Frankreich ist "Zizou" ohnehin vielmehr als nur ein großer Fußballer, der das Land auf dem Rasen zu zwei großen Titeln geführt hat. Der Sohn algerischer Einwanderer wurde zum Symbol für die Integration der Einwanderer in die "Grande Nation". Die brennenden Pariser Vorstädte haben längst gezeigt, dass natürlich kein einzelner Fußballer in der Lage ist, die gesellschaftlichen Probleme zu lösen.

Der Einwanderersohn aus Marseille bleibt dennoch eine Art Nationalheiliger. Längst ist Zidane über jeden Zweifel erhaben. Seine Demut außerhalb des Rasenrechtecks überdeckt seine gelegentlichen Ausraster auf dem Platz, wie den Kopfstoß gegen Jochen Kientz im Champions-League-Spiel mit Juventus Turin gegen den HSV im Jahr 2000 oder sein Revanchefoul im zweiten Gruppenspiel der WM 1998, die ihm einen Platzverweis und zwei Spiele Sperre einbrachten. Erst seine beiden Tore im Finale gegen Brasilien machten ihn später zum großen Star des Turniers.

Machtvoller Kapitän

Sein Status hat ihn längst zum mächtigste Mann in Frankreichs Fußball gemacht. Nach der EM 2004, bei der auch Zidane der schwächelnden Equipe Tricolore nicht entscheidend helfen konnte, trat er aus der Nationalmannschaft zurück. Als die Franzosen in der WM-Qualifikation zu scheitern drohten, kehrte er zurück und drückte gleich auch Claude Makelele und Lilian Thuram zurück ins Team - gegen den Willen von Nationaltrainer Raymond Domenech. Doch der kann nicht anders, als seinem Kapitän zu folgen. Denn die französische Öffentlichkeit feierte die Rückkehr Zidanes wie die Auferstehung des Messias.

Zidane versteht es, die eigene Retterrolle perfekt zu inszenieren. Denn bei allen fehlenden Allüren: Auch der 33-Jährige beherrscht die Regeln des Geschäfts. Seine letzte Bühne wird nun also die Weltmeisterschaft in Deutschland sein. Auch das ist ein genialer Schachzug. Der Chef des WM-Organisationskomitees, Franz Beckenbauer, hat das gleich erkannt: "Ich kann mir für einen der größten europäischen Fußballer aller Zeiten kein größeren Abschluss vorstellen, als ein WM-Turnier."

 

 

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