Deutsche Fans feiern Frankreichs Fußball-Zauberer
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Zidanes
Küsschen zum 4:0
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Von Boris Inanici
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Der stehende Applaus nach dem Schlusspfiff war das schönste Kompliment - weil
die "Falschen" in die Hände klatschten. Nur ein gutes Drittel der 53.574 Fans
hatte es überhaupt bis zum Schlusspfiff in der Arena auf Schalke ausgehalten.
Wer noch zwei Finger zum Pfeifen hatte, schickte die deutsche Mannschaft nach
der 0:3-Niederlage kräftig pustend in die Kabine.
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"Zaubermeister" Zinedine Zidane und seine Adjutanten aber blieben stehen, die
Franzosen genossen den warmen Applaus des deutschen Publikums.
"Die Fans haben 85 Minuten hinter der eigenen Mannschaft gestanden. Aber ich
glaube, dass schlussendlich die Qualität unserer Vorstellung die Leute dazu
gebracht hat, uns zu applaudieren", freute sich Frankreichs Nationaltrainer
Jaques Santini.
Qualität - genau dort lag der Unterschied. Die bieder ackernde Völler-Elf auf
der einen, der lustvoll aufspielende Nachbar auf der anderen Seite. "Was bleibt,
ist das nackte Ergebnis", seufzte Teamchef Rudi Völler, "und das tut weh. Das
sieht blöde aus."
Zumindest eine Halbzeit lang hatten die Deutschen den Eindruck hinterlassen,
mitspielen zu können. "Da hat die deutsche Mannschaft uns imponiert", sagte
Santini, "wir haben bis zur Pause ein Spiel von ganz großer Qualität gesehen.
Das sehr athletische Spiel der Deutschen stand der Mobilität unsere Mannschaft
gegenüber. Dann aber hat alle Welt gesehen, dass es zu einer sehr guten
Vorstellung meiner Mannschaft kam."
Und zumindest all jene in der Welt, die im Stadion oder vor den Bildschirmen
saßen, bekamen auch mit, wie die deutsche Mannschaft gleichzeitig auseinander
brach. "Das zweite Tor, diese tolle Kombination von Henry und Trezeguet, hat den
Deutschen, wie man bei uns in Frankreich sagt, die Beine weggeschlagen",
analysierte Santani die Schlüsselszene des Spiels.
Hinkels bittere Erkenntnis
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Der Stuttgarter Andreas Hinkel, ungewohnt auf der linken Schiene im Einsatz,
schaute nach dem Schlusspfiff etwas verdutzt aus der Wäsche: "In der zweiten
Halbzeit hatten wir keine Chancen mehr, da haben sie uns schon ein bisschen
vorgeführt". Mitnehmen wolle er etwas, sagte Hinkel, "wie man es nicht machen
soll, und wie man es machen muss." Für Rudi Völler ist die achte Niederlage in
Folge gegen eine der großen Fußball-Nationen inzwischen Routine: "Es ist
gnadenlos im Sport. Der kleinste Fehler wird brutal bestraft. Das ist der
Unterschied zwischen uns und den ganz großen Mannschaften. Die Franzosen sind
mehr als Weltklasse."
Bezeichnend für den Qualitätsunterschied war das im Vorfeld aufgebauschte Duell
zwischen Michael Ballack und Zinedine Zidane. "Eigentlich", sagte Völler, könne
man die beiden ja gar nicht vergleichen. Zidane sei mehr der Vorbereiter, der
Zauberer, und Michael Ballack der Vollstrecker. "Michael hat das heute nicht
gezeigt. Zidane hat eine überragende Partie gespielt", meinte der Teamchef, um
dann schließlich doch zu befinden: "Zidane war heute, wenn man es denn so will,
sicherlich der Gewinner."
Flucht des Verlierers
Der Verlierer floh mit düsterer Miene so schnell er konnte in Richtung
Flughafen, um den letzten Flieger nach München zu erwischen. Zinedine Zidane
blieb noch da. Der Superstar hängte der jungen Dame, die vor dem Spiel für ihn
und alle Franzosen die Marseillaise gesungen hatte, sein Trikot über die
Schulter. Gab ihr ganz charmant zwei Küsschen links, zwei Küsschen rechts. Und
verschwand, als die Mademoiselle heftig kreischend nach Luft schnappte, mit
einem spitzbübischen Lächeln in der Kabine. 4:0 für Frankreich.
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