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FIFA Weltfussballer des Jahres
“Zizou”, Superstar ohne Allüren

 

(AFP)


(FIFA.com)
14 Dez 2003

Yazid Zinedine Zidane, von seinen Bewunderern liebevoll „Zizou“ genannt, bereitet es sichtlich Unbehagen, im Rampenlicht zu stehen. Sollte er in diesem Jahr zum dritten Mal nach 1998 und 2000 zum „FIFA Weltfussballer des Jahres“ gekürt werden, wird er sich wieder verlegen mit der linken Hand an die Stirn greifen und seine grünen Augen vom Geschehen abwenden, wie ein Nebendarsteller, der gar nicht begreift, warum er im Mittelpunkt des Interesses steht.

Er, der als Sohn algerischer Einwanderer und jüngstes von fünf Kindern in bescheidenen Verhältnissen im Norden von Marseille aufwuchs, schon als kleiner Junge neben Tennis und Judo nichts als Fußball im Kopf hatte, mit Freunden stundenlang auf der Straße kickte und auch schon mal zuhause ein paar Lampen kaputt schoss.

Heute ist Zidane, verheiratet mit Ehefrau Véronique und stolzer Vater von Enzo, Luca und Theo, ein Superstar, doch trotz Millionengehalt und Lobeshymnen von allen Seiten ist ihm der Ruhm im Gegensatz zu anderen Fußballstars nicht zu Kopf gestiegen. Er hat nicht vergessen, woher er kommt und er leugnet seine Wurzeln nicht. Bei fast jedem offiziellen Auftritt lässt er seine Eltern und seine Freunde einfliegen. Und er ist sich auch nicht zu schade, mal einen Nachmittag in dem Marseiller Stadtviertel, in dem er aufwuchs, mit der lokalen Jugend Fußball zu spielen. „Er ist eben ein bescheidener Junge“, sagt Vater Smail. „Und ein toller Ehemann und bewundernswerter Vater ist Yaz auch“, ergänzt Schwester Lila stolz.

Sportlich dauerte es eine Weile, bis Zidanes Qualitäten ohne Einschränkung anerkannt wurden. 1989 bestritt er als 17-Jähriger für den AS Cannes sein Erstligadebüt, 1991 bekam er für sein erstes Tor in der höchsten Spielklasse Frankreichs von AS-Präsident Alain Pedretti einen Renault Clio geschenkt. Lange kämpfte er mit dem Schatten von Michel Platini, dem Kapitän der Equipe Tricolore in den 80-er Jahren. Nach zwei verlorenen Champions-League-Endspielen 1997 und 1998 mit Juventus Turin blies ihm die Kritik entgegen: „Doch nicht wie Platini.“ Auch die zwei Tore im WM-Finale 1998, die Frankreich den Weltmeistertitel brachten und ihm die erstmalige Auszeichnung zum „FIFA Weltfussballer des Jahres“, ließen die Kritik nicht gänzlich verstummen.

Der 31-Jährige hatte lange den Ruf eines begnadeten Fußballers, der nur dann glänzt, wenn es gut läuft im Team. Im Jahr 2000 wurde Zidane mit Frankreich Europameister und bereits zum zweiten Mal „FIFA Weltfussballer des Jahres“. Doch erst mit seinem Traumtor im Champions-League-Finale 2002 gegen Leverkusen, das Real Madrid die Trophäe sicherte, brachte er seine Kritiker zum Schweigen. Dabei war 2002 alles andere als ein Traumjahr: In der spanischen Meisterschaft kam Zidane mit Real nicht über einen dritten Platz hinaus, mit der Nationalmannschaft schied er bei der Weltmeisterschaft als Titelverteidiger sang- und klanglos in der Vorrunde aus.

Nach einem ausgedehnten Urlaub auf den Seychellen mit Freund Christoph Dugarry begann das Fußballjahr 2003 für den Tennis- und Formel-1-Fan verheißungsvoll. Beim 4:1-Erfolg über Valencia sprühte Zidane vor Spielfreude, erzielte einen Treffer selbst und bereitete einen weiteren vor. Den ersten Dämpfer setzte es Ende Januar beim frühzeitigen Pokal-Aus auf Mallorca, wo Zidane zur Pause ausgewechselt wurde. Während es in der Liga gut lief und sich Real Madrid nach einer spannenden Saison den 29. Meistertitel sicherte, scheiterte er mit den „Königlichen“ im Halbfinale der Champions League an seinem früheren Verein Juventus Turin. Sein später Treffer im Rückspiel konnte das Ausscheiden nicht verhindern.

Mit einem Tor beim 7:2-Kantersieg über Valladolid meldete er sich im September eindrucksvoll nach einer Oberschenkelverletzung zurück. Doch in der Liga wechseln sich Licht und Schatten mit schöner Regelmäßigkeit ab. Im November setzte es eine bittere 1:4-Niederlage in Sevilla, zum ersten Mal seit mehr als 50 Jahren kassierte Real vier Gegentore in einer Halbzeit. Rundum positiv läuft es in der Nationalmannschaft, mit der er in die Erfolgsspur zurückgefunden hat. Als eines der ersten Teams qualifizierten sich die Franzosen für die EURO 2004 in Portugal, unter dem neuen Trainer Jacques Santini gelangen nach dem WM-Debakel in 19 Spielen 17 Siege, bei einem Unentschieden und einer Niederlage.

Auf dem Platz glänzt Zidane mal als Spielgestalter, der zentimetergenaue Pässe schlägt, mal als Torjäger, der für seine Mannschaften wichtige Treffer erzielt. Immer wieder ist es eine Augenweide, dem 1,85 Meter großen Ausnahmekönner beim Spielen zuzusehen, wenn ihm der Ball magisch am Fuß zu kleben scheint, er mit filigraner Ballbehandlung seine Gegner ein ums andere Mal düpiert.

Wenn Zidane am 15. Dezember bei der Wahl zum „FIFA Weltfussballer des Jahres“ möglicherweise wieder einmal außerhalb des Platzes die Hauptrolle spielt, wird er sich einmal mehr unwohl fühlen. Er ist halt ein bescheidener Junge.

 

 

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