Lebende Legende
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Eine letzte Zugabe
Von Christian Eichler
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Zizou: Frankreichs Liebling |
26. April 2006
Eine solche Karriere läßt man nicht mit einer
mediokren Klubsaison ausklingen. Deshalb hat Zinedine Zidane nun seinen
Rücktritt erklärt. Nicht den sofortigen, aber den baldigen. "Bitte, geh nicht",
hatte die Zeitung "Marca" noch am Sonntag auf ihrer Titelseite gefleht. Doch
vergeblich. Sein definitiv letztes Match als Profi wird der größte
Fußballkünstler der Zeit zwischen Maradona und Ronaldinho auf der größten
Fußballbühne der Welt spielen, bei der Weltmeisterschaft in Deutschland.
Daß Zidane seine einmalige Laufbahn nicht im zuletzt eher matten Weiß der "Königlichen" beendet, sondern im stolzen Blau der "Equipe Tricolore", ist nicht nur seinem Patriotismus geschuldet, auch seinen spielerischen Wurzeln. Nie machte er ein Hehl daraus, daß der Geist der "Bleus" seinem Herzen am nächsten ist. Im fünften Jahr bei Real, das ihn 2001 für die bis heute unübertroffene Transfersumme von 75 Millionen Euro von Juventus Turin kaufte, ist das spanische Feuer bei dem Franzosen mehr und mehr erloschen.
Der mit dem Ball am Fuß alles verändern konnte
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Auf dem Gipfel: Weltmeister 1998 |
Auch deshalb wohl beschloß er, den 2004 verkündeten Rücktritt aus der Nationalelf vergangenen August rückgängig zu machen. Beide, Zidane und die Equipe Tricolore, schienen ohne einander spielerisch gelähmt. Wiedervereinigt, inspirierten sie einander, fast wie früher. Unter der Regie des Rückkehrers brachen die Franzosen ihre Remis-Serie und schafften mit dem 1:0 in Irland den entscheidenden Schritt zur WM. Dort wird Zidane, der während des Turniers 34 Jahre alt wird, wohl kaum noch an alte Frische und Klasse anknüpfen können. Aber vielleicht die WM-Blamage von 2002 ein wenig vergessen machen. Und vor allem mit einem großen Moment aufhören - und nicht mit dem kleinlichen Hickhack bei Real.
Zidane war stets einer, der mit dem Ball am Fuß alles verändern konnte. Aber keiner, der mit Worten, Gesten oder autoritären Auftritten eine Elf oder gar einen Klub zu lenken verstand - er wollte es auch nie. Im französischen Team, das Welt- und Europameister wurde, war der stille, höfliche Zidane die spielerische Leitfigur. Der innere Anführer war ein anderer, der ruppige Didier Deschamps. Auch die Aufgabe, Real Madrid wieder aus der Sackgasse des selbstgefälligen Starkultes zu führen, war nichts für ihn. Seit drei Jahren ist der berühmteste Klub der Welt ohne Titel, und Zidane mag nicht mehr.
Ballett am Ball, ein Nurejew auf Stollenschuhen
Geformt wurde er in einem jener Fußballinternate, die halb Europa nach dem französischen WM-Erfolg 1998 zu kopieren versuchte. Einen zweiten Zidane fand keiner. Einen, der in seinen großen Momenten die Anmutung der Schwerelosigkeit erreichte. Seine Übersicht, seine Pässe, seine Pirouetten. Zidane auf dem Gipfel, das war Ballett am Ball, ein Nurejew auf Stollenschuhen.
In Frankreich kommt kurz vor der WM ein Film in die Kinos, der den Künstler auf seiner Bühne zeigt. Er hat einen Titel wie ein Vermächtnis: "Zidane, ein Porträt des 21. Jahrhunderts". Er präsentiert ihn während eines Spiels, aufgenommen von 17 Kameras. Ein weiterer Mosaikstein der Zidane-Legende, ohne daß ihr Held je Wert auf Selbststilisierung oder gar Heroisierung gelegt hätte. Der Sohn algerischer Eltern, aufgewachsen in ärmlichen Außenbezirken von Marseille, wurde nur durch Klasse und Persönlichkeit zu Zizou, Frankreichs Liebling. Und zum Geschenk für jeden, der Fußball liebt. Man darf sich freuen, auf eine letzte Zugabe.
Text: F.A.Z. vom 27. April 2006
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